Ehrung verdienter Chronistinnen und Chronisten

Ein besonderer Höhepunkt am Tag der Chronist:innen war die Ehrung verdienter Chronistinnen und Chronisten: Frieda Kainz Baldini (Marling), Maria Fliri Gerstgrasser (Naturns), Rosa Pircher (Passeier), Adolf Höllrigl (Kuens), Andreas Piok (St. Andrä/Brixen), Josef Pircher (Riffian) und Ludwig Veith (Prad am Stilfserjoch) haben über Jahrzehnte lokales Wissen gesammelt und somit für die Nachwelt zugänglich gemacht. Am Tag der Chronistinnen und Chronisten wurden sie dafür zu Ehrenchronisten ernannt.

Die Geehrten (in alphabetischer Reihenfolge)

Maria Fliri Gerstgrasser war eine Pionierin des Chronikwesens in Naturns; 1989 hat sie damit begonnen. Sie hat dann jahrzehntelang alles zusammengetragen, was für Naturns wichtig war und was sich dort ereignet hat. Ihre erste Jahreschronik hat sie erst im Jahr 2012 vorgestellt; vorher hat sie im „stillen Kämmerlein“ gearbeitet, wie sie sagt: „Kaum jemand wusste etwas von meiner Tätigkeit.“ Maria Fliri war auch Bezirkschronistin, hat Vorträge gehalten, Sterbebildchen gesammelt und sie bei Ausstellungen gezeigt. 2021 wurde sie mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet.

Adolf Höllrigl hat sich in über 25 Jahren, von 2000 bis 2025, große Verdienste um das historisch wertvolle Pfarrarchiv von Kuens erworben. Er hat die Bücher, Manuskripte und Urkunden instandgehalten, geordnet, katalogisiert und digitalisiert sowie den Umzug vom Widum ins alte Schulhaus organisiert und tatkräftig mit angepackt. Um die alten Bücher und Urkunden zu entziffern, hat er in Kursen die alte Schrift erlernt. Insgesamt, so sagt er, hat er in den 25 Jahren mindestens 1000 Stunden im Archiv gearbeitet. Adolf Höllrigl kann noch auf eine weitere Besonderheit verweisen: Seit 1984 führt er akribisch Buch über das Wetter in Kuens, notiert Temperatur und Niederschläge und kann so den Klimawandel genau dokumentieren.

Frieda Kainz Baldini hat ab 1987 unter der Anleitung von Mariedl Innerhofer und gemeinsam mit Frieda Mutschlechner das Chronikwesen in Marling aufgebaut. 18 Jahre lang hat sie die Jahreschroniken verfasst. Diese waren auch beispielgebend für andere Orte.  Ein Höhepunkt war die Ausstellung „100 Jahre Pfarrkirche“ im Jahr 2001, für die viele Fotos und Dokumentationen gesammelt wurden. Nach 2005 widmete sie sich der Pfarr-, Chor- und Familienchronik und hat viele Nachrufe für das Dorfblatt verfasst. In der Corona-Zeit hat sie die Vorgänge in Marling akribisch festgehalten und so ein Zeitdokument für Marling über diese schwere Zeit erstellt.

Andreas Piok ist im Chronikwesen in St. Andrä/Brixen ein Mann der ersten Stunde. Zuerst wurden in regelmäßigen Abständen Mitteilungen über das Dorfgeschehen an die Einwohner verschickt, seit 1993 war er beim Dorfblatt mit dabei und hat danach bis zum Jahr 2022 insgesamt 22 Jahreschroniken verfasst. Ein großes Anliegen waren ihm immer die Nachrufe in den Chroniken. In der Corona-Zeit ging es ihm darum, die Vorgänge im Dorf genau festzuhalten. Für seine Verdienste um das Chronikwesen wurde er – Piok war auch lange politisch und in anderen Bereichen aktiv – 2008 mit der Verdienstmedaille des Landes Tirol ausgezeichnet. 

Josef Pircher war  von 1996 bis Ende 2025 Chronist in Riffian, von 1996 bis 2010 auch in Kuens. In dieser Zeit hat er unzählige Festschriften für verschiedenste örtliche Vereine, Kirchenführer, Lebensgeschichten, Beiträge für die Dorfzeitung von Riffian und Kuens,  den „Schlern“, den „Tiroler Chronist“ sowie  „Reimmichls Volkskalender“ und noch andere Druckwerke geschrieben und in etlichen Rundfunksendungen mitgewirkt.  29 Jahre hat er jeweils mit einem Jahresrückblick  in der Dorfzeitung dokumentiert. Mit seiner knapp 30-jährigen Arbeit hat Josef Pircher die Geschichte und das kulturelle Leben der beiden Dörfer und ihrer Vereine umfassend dokumentiert und für kommende Generationen bewahrt.

Rosa Pircher ist ein Urgestein des Chronikwesens in Passeier. Sie war seit 1992 Schriftführerin des Vereins für Kultur und Heimatpflege Passeier und hat damit die kulturelle Tätigkeit im Tal in schriftlicher Form festgehalten. Sie hat den Nachlass des Chronisten und Naturforschers Florian Schrott, Kurat von Schweinsteg, durch ihre guten Kontakte aus Mölten zurückgeholt und für das Talarchiv Passeier gerettet – das war eine wichtige Grundlage des Chronikwesens im Tal. Sie hat jahrzehntelang den Chronisten in Passeier zugearbeitet und sich so um das Chronikwesen des Tales große Verdienste erworben. Auch war es ihr stets wichtig, die Jugend einzubeziehen.  

Ludwig Veith aus Prad am Stilfserjoch schlägt alle Rekorde: Er ist fast 47 Jahren als Chronist aktiv – und kann es noch nicht ganz lassen. Veith  ist das „wandelnde Geschichtsbuch von Prad“. 1979 hat er mit der Chronistentätigkeit begonnen; was er seither alles erforscht, gesammelt, zusammengetragen, geschrieben und für die Nachwelt erhalten hat, lässt sich nicht in ein paar Sätzen zusammenfassen. Darunter sind viele Festschriften, Jahreschroniken, Broschüren und zahlreiche Beiträge für das Dorfblatt und den „Schlern“. 2025 wurde er mit der Verdienstmedaille  des Landes Tirol ausgezeichnet. Höhepunkt seines Schaffens ist die umfassende Ortschronik „Häuser und Höfe in Prad und Agums 1775-1857“, die 2024 vorgestellt wurde. Ludwig Veith bezeichnet sie selber als sein „Lebenswerk“.