Universitäre Ausbildung

Gegründet wurde das Südtiroler Bildungszentrum im Jahre 1971 zum Zwecke der Durchführung eines vom Wirtschafts- und Sozialinstitut (eine gemeinnützige Einrichtung des Privatrechtes, welche sich mit  Volksgruppenfragen in Europa auseinandersetzt) ausgearbeiteten Projektes, welches dem Anfang der 70er Jahre akut gewordenen Mangel an Akademikern bei der deutsch- und ladinischsprachigen Volksgruppe entgegenwirken sollte.

 In Ermangelung akademischer Fachkräfte hatten nämlich sowohl Schule als auch öffentlicher Dienst auf Hochschulstudenten oder Maturanten als Ersatzkräfte zurückgegriffen, was bei diesen wiederum zu Studienverzögerungen bzw. zum vorzeitigen Abbruch des Studiums führte. Zur Lösung dieses Problems wurden im Jahre 1972 mit Hilfe der Universität Innsbruck in Bozen Werkstudentenkurse eingerichtet, welche es berufstätigen Studenten ermöglichten, in Bozen durch Wochenend-Block-Unterricht ein Studium zu absolvieren. Angeboten wurden diese Werkstudentenkurse im Laufe der 70er Jahre in den Fächern Geographie, Geschichte, Germanistik, Mathematik, Physik, Rechts-, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Latein, Psychologie, Chemie und Leibeserziehung.

Für die Betreuung der Südtiroler Werkstudenten hat das SBZ 1972 an der Universität Innsbruck eine Betreuungsstelle eingerichtet, welche auch nach Auslaufen des Werkstudiums Ende der 70er Jahre beibehalten worden ist. Heute werden dort Südtiroler Studenten der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften betreut.

Außerdem besorgt die Südtirol-Beratung die Organisations- und Sekretariatsarbeiten für das italienische Rechtsstudium in Innsbruck, die Refundierung des Aufwandes für Vorlesungen und Übungen in der deutschen und italienischen Fachsprache sowie die wissenschaftlich-fachliche Unterstützung im Bereich Steuerlehre und italienisches Verwaltungsrecht.

Ab 1985 bot das SBZ jeweils vor Semesterbeginn auch Studienberatungstage in Bozen an. Seit 1990 wurde dieser Beratungsdienst als „gesamtösterreichischer Studienberatungsdienst“ auf alle österreichischen Studienrichtungen und Universitäten ausgeweitet.

Nach Schaffung einer entsprechenden Rechtsgrundlage mit dem Hochschulfürsorgegesetz hat das Land Südtirol diesen Dienst übernommen. Das SBZ konnte sich auf das Segment der rechtswissenschaftlichen Studienberatung zurückziehen, das einen integrierenden Bestandteil der gesamtösterreichischen Studienberatung des Landes bildet.

Im Zusammenhang mit den Werkstudentenkursen hat sich herausgestellt, dass das Studientitelabkommen zwischen Österreich und Italien überarbeitungs-bedürftig war. Daraufhin hat sich das SBZ im Jahre 1975 um seine Ajournierung bemüht.

Als nach mehr als zehnjährigen Bemühungen von Seiten des SBZ 1985 das italienische Rechtsstudium für Südtiroler an der Universität Innsbruck endgültig gesichert war, musste festgestellt werden, dass die Absolventen dieses Studiums nicht, wie zu erwarten wäre, Mängel in der italienischen Rechtsfachsprache aufwiesen, sondern in der deutschen. Diesem Mangel wirkte das SBZ ab 1986 durch die Einführung der deutschen Rechtsfachsprache als zusätzliches Fach entgegen.